Kinderuni – Architektur

Wir halten Vorlesungen über zeitgenössische Architektur, versuchen den jungen Studenten Architektur anhand anspruchsvoller Beispiele näher zu bringen und bieten Workshops mit dem Schwerpunkt Architektur-Entwurf an.

In den Vorlesungen werden Grundlagen, wie Entwurfsmethoden, Plandarstellungen, Modellbau und konstruktive Aspekte genauso erklärt wie die Einflüsse auf Architektur. Die präsentierten Architektur-Beispiele, meist sind das außergewöhnliche Gebäude die in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstanden sind, sollen den Kindern die Vielfältigkeit der Baukunst vor Augen führen und sie dem Thema öffnen. Die jungen Studenten lernen moderne Architektur kennen, sie erfahren über die Arbeit der Architekten und werden in ihrer Kreativität gefördert.
Wir nehmen die Kinder sehr ernst und versuchen deshalb unsere Vorlesungen anspruchsvoll zu gestalten und sie zu fordern. Nicht nur inhaltlich, auch sprachlich unterscheiden sich unsere Vorträge nicht wesentlich von denen für Erwachsene. Freilich verzichten wir dabei auf die meisten Fremdwörter und erklären Fachbegriffe so, dass sie die Kleinen verstehen. Wichtig ist uns auch die Beteiligung der jungen Studenten. Fragen sind immer erlaubt und zwischendurch wird immer wieder mal das Auditorium nach seiner Meinung gefragt, oder es werden Abstimmungen zu bestimmten Themen abgehalten. Gegen Ende bekommen die Kinder von uns Papier und Stifte um ihre eigene Ideen zum Vortragsthema zu skizzieren. Das ist nicht nur eine kreative Übung, sondern auch eine willkommene Pause für die Kleinen in der sie sich austoben können – denn so viel Neues in einer Stunde zu erfahren kann für sie ganz schön anstrengend sein. Jedes Mal sind wir begeistert und überrascht von den unkonventionellen und tollen Bildern die dabei entstehen.

In den Workshops können sich die jungen Studenten dann selbst im Entwerfen üben. Wie bei den großen Architekten haben die kleinen eine Bauaufgabe, die wir ihnen stellen, zu bewältigen. Die Aufgabe lässt den Kindern und ihrer Fantasie dabei viel Freiraum. In ersten Skizzen wird der Entwurf vorgezeichnet, dann wird er als Modell aus Holz oder Karton umgesetzt und schließlich vor versammeltem Publikum – anderen Kindern und den Eltern – präsentiert. Die stolzen Jungarchitekten können sich dann ihr Werk mit nach Hause nehmen.

Während dieser, nur wenige Stunden dauernden, Workshops entstehen großartige Entwürfe. Die Kinder üben sich in Kreativität und Geschicklichkeit, sie lernen ihre eigenen Fähigkeiten kennen und konstruktive Probleme zu lösen.

Wir wollen den Kindern ein Grundverständnis für Architektur vermitteln, was angesichts der sehr begrenzten Zeit nicht ganz einfach ist. Ganz sicher kann durch die Kinderuni aber ein Interesse geweckt werden. Die jungen Studenten sind sehr wissbegierig und neugierig, sehr offen Neuem gegenüber, auch wenn von uns eher unkonventionelle Architektur vorgestellt wird.

Uns ist das Erlernen von Grundlagen der Architektur und das Verständnis für zeitgenössische Architektur für die Zukunft der Kinder wichtig. Derzeit wird Architektur in der Schule nicht oder nicht ausreichend gelehrt. Dabei wäre das nicht nur für die Allgemeinbildung, sondern auch für einen offeneren, kritischen Zugang unserer Gesellschaft zur Architektur notwendig.

Das Feedback der Kinder ist meist sehr gut. Die Architektur-Vorlesungen erfreuen sich großer Beliebtheit und es kommt nicht selten vor, dass wir den einen oder anderen Studenten in einer anderen Vorlesung wieder sehen. Die Kleinen sind sehr stolz auf Ihre Modelle und Zeichnungen.

Tipps:

Man sollte Kinder nicht unterschätzen. Die jungen Studenten kommen oft sehr gut vorbereitet zur Vorlesung und erwarten auch wie „richtige“ Studenten behandelt und ernst genommen zu werden. Für die Vortragenden bedeutet das, auf intelligente, unerwartete Fragen gut vorbereitet zu sein.

Wichtig ist es, die richtige Sprache zu finden. Einerseits gilt es Fremdwörter wenn möglich zu vermeiden, andererseits können es Kinder nicht gut leiden, wenn man versucht in einer kindlichen Sprache zu ihnen zu sprechen. Fachbegriffe können notwendig und lehrreich sein, müssen aber gut und einfach erklärt werden.

Inhaltlich soll der Vortrag durchaus anspruchsvoll, aber nicht zu trocken sein. Bei Power-Point-Präsentationen sollten viele Bilder verwendet werden – zu viel Text macht die Kinder unaufmerksam und müde.

Kinder fragen sehr viel. Fragen müssen immer erlaubt sein. Die Kinder sollen zu Wort kommen und ihre Fragen sollen vom Erwachsenen ernst genommen werden. Das sollte auch beim Vorbereiten des Vortrages beachtet werden – denn gut ¼ der Zeit sollte der Beantwortung der Fragen gewidmet werden.

Die Vorlesung selbst sollte möglichst nicht frontal gehalten werden. Gut ist es immer, sich nicht hinter Barrieren (wie z.B. Pulten oder Tischen) zu verstecken, sondern (bei konventionellen Hörsälen) direkt vor dem Publikum zu stehen, oder sich auch im Raum zu bewegen.

Kleine Pausen in denen zum Beispiel gezeichnet, diskutiert oder über Themen abgestimmt wird, haben sich sehr bewährt, da die Kinder sich nur sehr schwer so lange auf ein für sie neues, anspruchsvolles Thema konzentrieren können.

Wir halten unsere Vorlesungen immer zu zweit, weil wir uns so mehr um die Kinder kümmern und den Überblick besser bewahren können.

Bei unseren Workshops achten wir darauf Materialien zu verwenden, die für die Kinder ungefährlich sind. Notwendige Werkzeuge wie Messer und Scheren behalten wir bei uns und beaufsichtigen die Kinder wenn sie diese verwenden müssen oder helfen ihnen dabei.

Da die Kinderuni im Sommer stattfindet und die Räume meist nicht klimatisiert sind, muss auch für ausreichend Getränke und Pausen gesorgt sein.

Katharina Tielsch (Institut für Architekturwissenschaften) und Fabian Dembski (Institut für Architekturwissenschaften und Freelance) halten seit 2005 Vorlesungen und Workshops an der Kinderuni Wien und in den Bundesländern.

Vorlesungen:

2005: Hat ein Skelettbau wirklich ein Skelett und ist ein Leichtbau leicht? Von Skelettbauten, Massivbauten, Hochbauten und Tiefbauten – eine kurze Einführung zum Thema Bauen.

2007: Was muss ein Architekt bzw. eine Architektin alles wissen und können? Wissenswertes über den Beruf des Architekten/der Architektin.

2008: Kratzen Wolkenkratzer an den Wolken? Wie und warum Menschen immer höher und höher bauen und vor welche Herausforderung das Architektinnen und Architekten stellt.

2009: Was beeinflusst Architektur? Von Licht, Luft, Erde und Feuer und wie sich dies auf Gebäude auswirkt.

2010: Verrückt oder genial? Über waghalsige Gebäude und ihre Architekten.

2011: Kann man Architektur auch hören?; Bionik in der Architektur (Kirchdorf); Wie entsteht der große Wurf  (Steyr)

Workshops:

2005: Wie baue ich einen Turm aus Holz?

2007: Wie errichtet man in weniger als 3 Stunden eine Stadt?

2011: Bionik; Energie/Low Tech; Wie entsteht der große Wurf?

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