Architektur

Kurzüberblick:
Architekten entwerfen Gebäude und setzen Pläne um
Anforderungen: Kreativität, technische Begabung, Teamfähigkeit, Allgemeinwissen, Neugierde und Ausdauer
Neben der kreativen Arbeit fallen im Berufsalltag hauptsächlich organisatorische und bürokratische Arbeiten an.

Inhalte des Studiums:
Im Mittelpunkt des Architekturstudiums steht das Entwerfen und Planen von Bauwerken. Die Studenten lernen, wie man eine Idee für ein Gebäude entwickelt und umsetzt: von der Skizze über den Bauplan und das Modell bis zur Realisierung auf der Baustelle. Die Entwürfe müssen die Studenten regelmäßig vor Kommilitonen und Assistenten oder Professoren präsentieren und diskutieren. Außerdem stehen technische Fächer wie Statik, Baustofflehre, Bauphysik oder Darstellende Geometrie auf dem Studienplan, die durch Fächer wie zum Beispiel Kunstgeschichte, Architekturtheorie und Architekturgeschichte ergänzt werden.

Aufbau des Studiums
Am Anfang stehen die Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens. Die Studenten lernen, wie sich die Proportionen von Gebäuden gestalten lassen, wie sie Räume je nach Funktion sinnvoll anordnen oder den Charakter eines Hauses durch Größe und Form der Fenster verändern. Parallel trainieren sie ihr räumliches Vorstellungsvermögen durch perspektivische Zeichnungen und plastisches Gestalten. Technisches Wissen wird in Vorlesungen und Übungen vermittelt – etwa in der Tragwerkslehre, bei der es um die Statik und die Stabilität von Gebäuden geht. Auf den Lehrplänen stehen auch Bauphysik, Hochbau und Baustofflehre. Die Studenten erfahren, welche Materialien sich beim Bauen kombinieren lassen, wie diese auf Wärme oder Feuchtigkeit reagieren und welche ökologischen Auswirkungen es hat, wenn bestimmte Stoffe eingesetzt werden. Jeder Architekt muss außerdem wissen, wie Heizung, Lüftung, Elektrotechnik oder Wasserversorgung funktionieren. Auch juristische und wirtschaftliche Themen werden behandelt.
Einen großen Stellenwert das Entwerfen. Um die Pläne für die Projekte zu erstellen, müssen die Studenten spezielle CAD-Software beherrschen. Sie arbeiten dabei häufig in Gruppen; das gibt einen Vorgeschmack auf das Berufsleben, denn meist entwickeln Architekten ihre Entwürfe in Teams.
Wer in Österreich als selbstständiger Architekt arbeiten möchte, muss in der Architektenkammer eingetragen sein. Für die Aufnahme in die Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten müssen die Bewerber das Master-Studium abgeschlossen und einige Jahre Berufserfahrung nachweisen. Nach einer Prüfung zum Ziviltechniker kann man in die Kammer aufgenommen werden und ist ihr gegenüber zu Beiträgen verpflichtet (einkommensabhängig können so relativ hohe Beiträge an die Kammer abfallen).

Eignung:
Um im Architekturstudium glücklich zu werden, ist ausgeprägte Kreativität Grundvoraussetzung. Sind die Noten in den künstlerischen Schulfächern gut, so ist das schon ein guter Indikator. Häufig werden jedoch die technischen Fächer unterschätzt. Außerdem ist im Studium viel Ausdauer gefragt: Das Entwerfen kann ein langer Prozess, der mit vielen Problemen verbunden sein kann, werden. Entwürfe müssen manchmal verworfen und neu begonnen werden, fast immer zigmal überarbeitet und verbessert werden – das bedeutet, speziell vor den Abgabeterminen – oft so manch durchgearbeitete Nacht.
Das Arbeitspensum ist von Anfang an sehr hoch. Gearbeitet wird sowohl mit der Hand als auch am Computer. Meist wird mit Skizzen und Arbeitsmodellen begonnen, später werden Pläne mittels CAD-Programmen erstellt und Präsentationsunterlagen (zum Beispiel „Renderings“ – dreidimensionale Schaubilder), Präsentations-Modelle und detaillierte Pläne abgegeben. Damit verbunden sind hohe Kosten für Modellbau-Material, Druck-Kosten, Werkzeuge, Hardware (Laptop) und Fachliteratur.
Universitäten die keine Auswahlverfahren oder Aufnahmeprüfungen haben, finden derzeit äußerst regen Zustrom was, auch aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Universitäten, teilweise ein schlechtes Betreuungs-Verhältnis (Lehrender/Studenten) zur Folge hat.

Berufsfelder

Architektur ist allgegenwärtig, sie umgibt uns immer und überall, sie betrifft alle und sie prägt die Gesellschaft mit. In Architektur als gebauter Realität wird die Gesellschaft räumlich verkörpert. Gesellschaftliche Strukturen und Institutionen werden dauerhaft in Form von Gebäuden dargestellt. In den architektonischen Artefakten werden den Menschen Spielräume eingeräumt, Interaktionen vorstrukturiert, Generationen präsent gehalten, Machtansprü­che repräsentiert, Machtgefühle reproduziert, Welt- und Selbsterhaltung zum Ausdruck gebracht und das Selbstbild der Gesellschaft geprägt.

Architektur meint jedoch viel mehr als nur gebaute Realität. Im weitesten Sinne versteht man unter Architektur die Auseinandersetzung des Menschen mit gebautem Raum, die sowohl praktisch als auch theoretisch erfolgen kann. Die Auseinandersetzung findet in der Entstehung, Nutzung und Rezep­tion der Bauwerke statt. Architektur entsteht, indem Architekten und Bauin­genieure, die ein Teil der Gesellschaft sind, Planungsarbeit verrichten und sich mit dem gebauten Raum auseinandersetzen. Mehr und mehr wird die Arbeit von Architekten zu einer Dienstleistung.

Ebenso findet die Auseinandersetzung in der Ausbildung zu Architekten und Bauingenieuren statt. Sowohl die Ausbildung zu den Berufen als auch das Be­rufsfeld selbst, mit allen darin ausgebildeten Organisationsformen, Normen und Werten, sind Teil der existierenden Gesellschaft. Die verrichtete Arbeit in der Ausbildung und im Berufsfeld, sei es die Bildungsarbeit oder auch die Planungsarbeit im Berufsfeld, erfolgt für die Gesellschaft. Die fertigen Bau­werke existieren dann in der vorherrschenden Gesellschaft und müssen sich auch aufgrund ihrer Lebensdauer in zukünftigen Gesellschaften behaupten.

Die Rollen von Architekten heute

Architekturabsolventen bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten der Be­rufsausübung. Während sie im planenden Hochbau als Architekturschaffen­der oder als Ziviltechniker eine generalistische Rolle einnehmen, können sie auch als Künstler (etwa Entwerfer, Fotograf, Schriftsteller, Designer, Zeichner), Theoretiker (Kritiker, Organisator, Lehrer, Vermittler, Kommunikator, Journalist) und Spezialisten (in Projektleitung, gebäudetypologisch, bauphysikalisch, verwaltungsmäßig, im Management) tätig werden. Hybridformen zwischen den einzelnen Betätigungen sind eher die Regel als die Ausnahme.

Das Gene­ralistendasein nimmt nur einen Teil der möglichen Wege nach der Ausbildung ein. Im Generalistendasein ebenso wie im Spezialistendasein treten Überschneidungen zwischen den Architekten und den Bauingenieuren auf.

Die Ausdifferenzierungen der Aufgaben, die im Planungs- und Bauprozess anfallen, erfordern vom Generalisten zunehmend auch fokussierte Fach­kenntnisse.

Der einstige Baumeister führte Tätigkeiten aus, die heute von Personen aus den unterschiedlichsten Disziplinen übernommen werden. Nicht nur Archi­tekten und Ingenieure, sondern auch Juristen und Personen mit wirtschaft­licher Ausbildung sind neben den Professionisten, die für die Realisierung verantwortlich sind, bei der Entstehung von Bauwerken involviert. Damit ge­winnt die Kommunikation und Koordination für den Generalisten an Bedeu­tung, sowohl innerhalb der eigenen Disziplin als auch disziplinübergreifend zu Spezialisten anderer Bereiche.

Die Heterogenität des Berufsfeldes Architektur

Das Berufsfeld ist von Natur her ein äußerst heterogenes Feld, welches zu­sätzlich einem ständigen Wandel unterworfen ist.

Die Wissenszunahme im Bauwesen ist mit einer Spezialisierung der Betei­ligten einhergegangen. Architekturtypische Spezialisierungen sind etwa Städtebau, Innenarchitektur, Architekturgeschichte, Architekturjournalismus, Architekturtheorie, Denkmalpflege und vieles mehr. Auch unter den mit Bau­aufgaben betrauten Architekten gibt es Spezialisierungen, etwa nach den Gebäudetypen oder nach dem verwendeten Baumaterial.

Architekten sind in der Berufspraxis oftmals auch in Bereichen spezialisiert, die einen Teil des Planungs- und Bauprozesses einnehmen. Neben den we­nigen Entwerfern gibt es viele, die für die Einreichungsplanung bzw. die Ausführungsplanung verantwortlich sind. In der Bauausführung schließlich kann der Architekt die Bauleitung übernehmen.

Für jede einzelne Planungsphase sind unterschiedliche Fähigkeiten und Kom­petenzen erforderlich, deren Aneignung oftmals durch Erfahrung erfolgt. Durch oftmalige Konfrontation erfolgt automatisch eine Spezialisierung.

Während heute Teilbereiche des Aufgabenspektrums vom ehemaligen „Bau­meister“ mehr und mehr von anderen Disziplinen übernommen wurden, wie etwa die Tragwerksplanung oder die Haustechnik, vor allem aber der Großteil der Ausführung selbst, weitet sich das Berufsfeld aber auch bestän­dig aus.

Einerseits gilt es innerhalb der Planung neue Faktoren mitzubedenken, wie etwa bei Neubauten die Minimierung der Betriebskosten und die Gebäude­bewirtschaftung. Und auch neue Planungsaufgaben, die im Bestand vorzu­nehmen sind, wie Umbau-, Erhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen, wer­den in Zukunft vermehrt die baulichen Aufgabenbereiche bilden.

Andererseits verändert der Einsatz von digitalen Informationstechnologien (IT) die Arbeitsweise und das Arbeitsumfeld von Architekten und trägt zur Erweiterung des Berufsfeldes bei.

Neben das heute selbstverständlich verwendete Computerunterstützten Zei­chen (CAD) treten Werkzeuge wie Computerunterstütztes Modellieren, Mul­timediale Anwendung, Virtual Reality, Augmented Reality, Tabellenkalku­lation, Programmierung bis hin zur Kopplung von Planung und Fertigung (CAM, CEC).

Daneben gewinnen Datenbanken als Werkzeuge der Informationsverwaltung in der Architektur an Bedeutung.

Die Heterogenität des Berufsfeldes äußert sich auch in den Studien, in denen breit gefächerte Ergebnisse in allen Bereichen festzustellen sind. Das Spek­trum reicht von sehr positiven, vom Optimismus geprägten bis hin zu sehr negativen und pessimistischen Aussagen.

Voraussetzung, um die durch technologische Errungenschaften entstehenden Chancen für die Architekturproduktion nutzbar zu machen, ist ein profundes Wissen ob dieser Möglichkeiten. Diese müssen bereits in der Ausbildung vermittelt und geübt werden.

Zivilingenieure der Architektur sind statistisch erfasst und werden durch ihre Standesvertretung, die Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten abgesichert. Sie haben sich zumeist für die Selbstständigkeit entschieden und tragen in ihren Büros die Verantwortung für die ausgeführten Projekte.

Diplomingenieure oder Magister der Architektur ohne Ziviltechnikerprüfung und Kammermitgliedschaft, auch Architekturschaffende genannt, sind un­terschiedlichen wirtschaftlichen Bereichen zugeordnet und zahlenmäßig nur aufgrund der Absolventenzahlen der Universitäten abzuschätzen.

Die Aufgabenbereiche der Architekturschaffenden unterscheiden sich nur insofern von jenen der Architekten, dass sie nicht verantwortlich für die Pro­jekte zeichnen. Von der IG Architektur werden die Interessen von Architektur­schaffenden vertreten, eine rechtliche und wirtschaftliche Absicherung durch eine „Standesvertretung“ gibt es nicht.

Universitäten

In Österreich wird das Architekturstudium an folgenden Universitäten angeboten:
TU-Wien
Universität für Angewandte Kunst, Wien (Aufnahmeprüfung/-mappe)
Akademie der Bildenden Künste, Wien (Aufnahmeprüfung/-mappe)
TU-Graz
TU-Innsbruck
Kunstuni Linz

Weitere Informationen zum Thema:

Die Fachschaft Architektur (StudentInnenvertretung an der Technischen Universität Wien) bietet Informationen und Unterstützung für Studienanfänger an.

Artikel: „Berufsrealitäten von Architekten und deren Auswirkungen auf die Ausbildung“ von Katharina Tielsch, erschienen in der Zeitschrift „Generalist – Magazin für Architektur“ Lesen Sie hier den ganzen Artikel (PDF)

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